Erläuterungen
§ 1 Unsere globale Krise
Die größten Herausforderungen für das Überleben der rasch wachsenden Weltbevölkerung sind die Defizite bei der Lebensmittel- und Wasserversorgung, die Bedrohung durch Klimawandel, Verschmutzung, Rückgang der Artenvielfalt, Hunger und soziales Gefälle. Der globale Klimawandel übersteigt in seinen Auswirkungen alle anderen von Menschen verursachten Einflüsse auf das Erdsystems.
§ 2 Wir müssen aus der Vergangenheit lernen
In den letzten Jahren hat das Weltgeschehen gezeigt, wie schnell und flexibel auf kurzfristig auftretende Naturkatastrophen reagiert werden kann. Im Rahmen eines erfolgreichen Umweltmanagement wurden Probleme, die durch sauren Regens und das Ozonloch ausgelöst wurden, erfolgreich angegangen. Die Unterzeichner dieser Deklaration fordern dazu auf, entsprechende Fähigkeiten unverzüglich zu mobilisieren, um die das Erdsystems insgesamt betreffenden und vergleichsweise sehr viel gefährlichere Krisen zu lösen.
§ 3 Unseren Worten müssen Taten folgen
Es gibt keine Entschuldigung dafür, dass es zu Verzögerungen beim Einsatz gegenwärtig bereits verfügbarer technischer Lösungen kommt. Obwohl in bestimmten Gebieten weitere Forschung und Entwicklung notwendig ist, verfügen wir bereits über ein Arsenal an erprobten und nachhaltig wirksamen Technologien, um große Teilbereiche der globalen Krise zu lösen. Die Unterzeichner der Deklaration motivieren alle, die Lösungsvorschläge anzubieten haben, ihr Wissen in die Waagschale zu werfen, so dass mit der Umsetzung schnellstmöglich begonnen werden kann.
§ 4 Wir müssen stärkeres Problembewusstsein schaffen
Bei der Entwicklung von Lösungen zur Bekämpfung der gegenwärtigen Krise des Erdsystems gilt es, die Bereitschaft der Gesellschaft zu Verhaltensänderungen und zum überlegten Umgang mit der Erde zu steigern. Die jetzige Generation trägt dafür die Hauptverantwortung.
§ 5 Das globale Allgemeingut muss geschützt werden
Die Nutzung des globalen Allgemeinguts einschließlich Erdatmosphäre und die Ozeane unterliegt heute nur zum Teil einer gesetzlichen Regelung. Verstöße werden kaum geahndet. Die Unterzeichner empfehlen die Verabschiedung international bindender Rahmengesetze sowie der Bildung eines Treuhandfonds, wie dies von Christopher D. Stone (in Wege zum ökologischen Rechtsstaat“, H. Baumeister (ed), E. Bottner Verlag, 1993) vorgeschlagen wurde. Besonders dringend ist die Verabschiedung global gültiger Regelungen zum Emissionshandel und zur Umverteilung der CO 2 -Emissions- und Klimaschutz-Kredite.
§ 6 Eine künstliche Klimasteuerung ohne vorherige Ermächtigung ist nicht zulässig
Unter Klimasteuerung verstehen die Unterzeichner die willentliche, geplante und großräumige Intervention in das Klimasystem. Maßnahmen zur gezielten Klimasteuerung haben möglicherweise globale Auswirkungen, müssen daher sorgfältig geprüft werden. Ihre Anwendung ist von dem Ergebnis eines internationalen Konsens-Findungsprozesses, an dem sich alle Nationen beteiligen mögen, abhängig zu machen. Künstliche Klimasteuerung darf niemals als Alternative zur Lösung der Ursachen für die globale Krise verstanden werden.
§ 7 Nachhaltigkeit muss zur Leitlinie werden
Zu den herausragenden Aufgaben des Erdsystem-Managements gehört es, das globale Allgemeingut verantwortungsvoll zu bewirtschaften. Die Gesellschaften müssen eine nachhaltig wirksame Beziehung zwischen der natürlichen Umwelt und menschlichem Streben finden.
§ 8 Ein Treuhandfond für das globale Allgemeingut soll Forschung fördern
Der Treuhandfond für das globale Allgemeingut sollte mit dazu verwendet werden weitergehende Forschung zu finanzieren, soweit diese gesamtheitlich und multidisziplinär ausgerichtet ist.
§ 9 Wir brauchen eine UN-Instanz zur Erhaltung der Funktionen des Erdsystems
Wir fordern die Schaffung eines hochrangigen UN Organs, dessen Aufgabe es sein soll, Maßnahmen zur Sicherung des Fortbestehens lebenserhaltender Bedingungen auf der Erde zu definieren und durchzusetzen. Die zu treffenden politischen Entscheidungen sollen sich an den Empfehlungen des IPCC orientieren sowie an Empfehlungen eines zweiten überstaatlichen Gremiums, das Technologien, die zur Sicherung des Lebens auf Erden vorgeschlagen werden, auf ihre Nachhaltigkeit hin überprüfen und bewerten soll.
Wegen der Bedrohung, die von der globalen Krise ausgelöst wird, geht dieser Vorschlag über bereits früher unterbreitete Vorschläge hinaus, das UN Umweltprogramm (UNEP) auf das Niveau der Welthandelsorganisation zu heben.